Figur – Grund 1

DE/EN

16. Januar bis 27. Februar 2022

FIGUR — GRUND 1

Fatma Belkıs & Onur Gökmen, Brenda Akele Jorde, Tiphanie Kim Mall, Mia Sanchez, Stefanie Schwarzwimmer, Hito Steyerl, Ming Wong

Fatma Belkıs & Onur Gökmen, The Connected, 2021, 19'25'', Film. Courtesy the artists, co-commisioned by Sharjah Art Foundation, SAHA and SALT, Istanbul © Onur Gökmen / VG Bild-Kunst, Bonn 2022.
Mia Sanchez, Fists Full of Secrets, 2019, Video, HD, Stereo, Courtesy die Künstlerin
fatma-belkıs-onur-goekmen--the-connected-2021
ming-wong--lerne-deutsch-mit-petra-von-kant--learn-german-with-petra-von-kant-2007-slider
Screenshot
brenda-akele-jorde--va-bene- portrait-of-a-ghanaian-artist-2018_slider
stefanie-schwarzwimmer--going--places-2020-slider
Mia-Sanchez--Fists-Full-of-Secrets-2019
previous arrow
next arrow
 

FIGUR — GRUND 1 leitet das gleichnamige Jahresthema ein, welches die Frage nach dem Verhältnis von Figur und Grund im Bild ins Zentrum stellt. Präsentiert werden sieben Bewegtbildarbeiten aus den Jahren 2004 bis 2021, die in einem je eigenen Spiel mit Figur-Grund-Verhältnissen besondere Zugänge zur viel besprochenen und umkämpften Frage der Identität, ihrer historischen und sozialen Bedingtheit und ihres Wandels eröffnen. Die sieben Arbeiten sind parallel zu sehen. Ihre Gesamtlänge beträgt rund 100 Minuten.


Mit dem Thema des Verhältnisses von Figur und Grund scheint sich das Ausstellungsprojekt auf wenig Konkretes festzulegen. Denn weder verbindet sich damit ein eindeutiger theoretischer Zugang oder ein bestimmter Ausschnitt der Kunstgeschichte, noch sind die Begriffe von Figur und Grund spezifisch für die Auseinandersetzung mit einem bestimmten künstlerischen Medium. Die Frage nach dem Verhältnis von Figur und Grund zielt vielmehr auf eine ganz grundsätzliche methodisch orientierte Überlegung ab, die nahezu jede formanalytische Betrachtung künstlerischer Werke betreffen kann und die immer auf den Einzelfall der Betrachtung zurückwirft.


Die wohl nächstliegende Assoziation, die das Thema weckt, ist das Verhältnis von gemalter, abstrakter oder nicht abstrakter Figur im Vordergrund zum Mittel- oder Hintergrund in der Malerei. Wie verhält sich eine Figur zu ihrem Grund? Wie weit muss die Kontur einer Figur malerisch herausgearbeitet werden, damit sie als solche erkennbar bleibt und sich von ihrem Bildgrund ausreichend unterscheidet? Wie kann der Grund eine Figur hervorbringen? Wann verschmilzt, kontrastiert, konkurriert sie mit ihm?


Wie hier schon anklingt, ist im Begriff des Grunds auch das Be-gründende herauszuhören: Der Umraum, das Umfeld oder die Umwelt einer Figur wirken auf diese ein, sie üben Kräfte aus. In diesem Sinne „erschöpft sich [die Frage der Figuration] nicht im vagen, abstrakten Sprachgebrauch von Figur und Grund, sondern stellt außerdem die Frage nach der politischen Valenz der betreffenden ‚Figur‘ im Verhältnis zu ihrem ‚Grund‘ (ob Umwelt, Ort, Raum oder Gemeinschaft).“¹


Um solche spannungsreichen Verhältnisse zwischen Figuren und ihren sozialen, politischen und architektonischen Umwelten kreisen die sieben für die Ausstellung ausgewählten Bewegtbildarbeiten. Sie sind zwischen 2004 und 2021 entstanden. In jedem dieser Werke sind es einzelne Figuren, einzelne Körper, die erzählen oder von denen erzählt wird. Das Thema Figur und Grund lenkt den Blick auf die Gesten und Haltungen dieser eindrucksvollen und zugleich rätselhaften Protagonist*innen der Filme, auf ihre Theatralität und auf die Art und Weise, wie sie visuell und erzählerisch nähergebracht und entrückt werden, mal scharf konturiert erscheinen und mal in ihrem Umraum verschwinden.


Alle sieben Arbeiten setzen sich mit Fragen der Identität auseinander. Das Begriffspaar Figur und Grund hilft zu sehen, wie Identitäten hier nicht als solide Einheiten, sondern in ihrer historischen und sozialen Bedingtheit und gewissermaßen in Bewegung vorgeführt werden. Es lenkt den Blick auf spannungsintensive, differenzielle Verhältnisse. Schon der altgriechische Begriff für ‚Figur‘, schḗma, der ‚Haltung‘, ‚Gebärde‘, ‚Gestalt‘ oder ‚Erscheinung‘ bedeuten kann, weist auf die Labilität und Dynamik dieser Differenzen hin. Figuren (etwa tänzerische) sind glänzende, herausgehobene Momente im Vorgang einer Bewegung. Entsprechend hat man den Begriff der Figuration herangezogen, um sich über das Phänomen des bewegten Bildes Gedanken zu machen und sich zu fragen, wie „sich die Gegenkräfte von Kinesis und Stasis zu einer konsistenten Bilderfahrung“ verschränken.² Daher die Entscheidung, das Jahresthema FIGUR — GRUND mit sieben Bewegtbildarbeiten einzuleiten.


1 Amelia Jones: Figuration und der (lebendige) Körper; in: Texte zur Kunst 122 (2021), S. 79.
2 Gottfried Boehm, Gabriele Brandstetter, Achatz von Müller: Zur Einführung; in: Dies. (Hg.): Figur und Figuration. Studien zu Wahrnehmung und Wissen, Boston 2019, S. 7–9, hier S. 7.


— Rafael Jakob & Rahel Schrohe

Soft Opening:
Sonntag, 16. Januar 2022, von 15 bis 19 Uhr

Langer Donnerstag mit Ausstellungsrundgang: 
Donnerstag, 3. Februar 2022, um 18 Uhr

Werkgespräche in der Ausstellung:
Sonntag, 30. Januar 2022, um 16 Uhr mit Tiphanie Kim Mall
Sonntag, 13. Februar 2022, um 16 Uhr mit Stefanie Schwarzwimmer

Im Vorfeld der Werkgespräche werden Rundgänge für Studierende angeboten
(Beginn: 14:30 Uhr, Anmeldung per Mail an info@kvkhpotsdam.de)

Finissage und Präsentation der Jahresgaben:
Sonntag, 27. Februar 2022, um 16 Uhr

Ausstellungsansichten:

Fotos: Bernd Hiepe

Die Ausstellung wird unterstützt durch: